Könige in der Wüste

Einige Menschen vertreten die Meinung, sie seien von einer Wüste umgeben.

Sie müssen zwar keine Sandkörner zählen, ihr Wasser rationieren, sich einer Fata Morgana der Sinne berauben lassen oder den extremen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht trotzen – und doch erwecken sie den Eindruck unzufrieden zu sein.

Manche von ihnen zählen statt dessen Erbsen oder sammeln Korinthen, trinken die Weisheit oder Arroganz aus Silberbechern zum Frühstück, sind stets korrekt und einfühlsam oder trotzen den Regeln eines freundlichen Miteinanders zwischen Mensch und Mensch – unzufrieden ist anders.

Andere wiederum sind einfach mit dem falschen Bein aufgestanden oder begegneten der Leber-Laus auf dem Weg zur Arbeit, sodass ein Sandsturm ihre Gefühle aufwirbelt.

Es gibt unzählige Gründe wieso unsere Laune mal Licht spendet, mal Schatten wirft.

Schade, dass wir so oft nur die unsere Seite und Befindlichkeit wahrnehmen und in vielen Situationen unser Gegenüber ausblenden. Es ist menschlich und alltäglich – vielleicht wird es uns einfach nur zu selten bewusst.


Da es viele Kritiker gibt, die die Service-Wüste-Deutschland beklagen und diese aus einer bestimmten Perspektive belichten, möchte ich hier die Medaille mal umdrehen und diese betrachten.

Ob beim Bäcker um die Ecke, beim Einzelhändler oder beim Kauf eines neuen Wagens, einer Wohnungseinrichtung – jeder von uns schlüpft täglich in die unbewusste Rolle des Königs und möchte unabhängig vom Status dementsprechend behandelt werden.
„Der Kunde ist König“ und die Dienstleister aller Couleur sind „Bedienstete oder Hofnarren“, von denen erwartet wird, dass sie zu Diensten sind. Doch auch wenn diese ihren ‚Job‘ gut machen, kommt es oft vor, dass dies bewusst ignoriert, überhört oder gar missbilligt wird.

Wieso…

  •  … erwidern wir eine freundliche Begrüßung und Verabschiedung nicht?
  • … verstehen wir ein Hilfsangebot als Kaufzwang?
  • … sprechen wir nicht in ganzen Sätzen?
  • … schauen wir unseren Gesprächspartner nicht an?
  • … setzen wir voraus, dass uns jeder gleichermaßen versteht und unsere Wünsche von den Augen ablesen kann, ohne dass wir diese äußern?
  • … vergessen wir die einfachsten Umgangsformen und die 3 Zauberwörter: Danke, Bitte, Entschuldigung?

Das Leben wäre für uns „Könige“ und die unzähligen „Bediensteten“ umso schöner und leichter, wenn wir uns beständig unserer Rolle entsprechend benehmen würden – mit gutem Beispiel voran.

Die Tage sind nicht immer gleich gut oder gleich schlecht, aber müssen unsere Mitmenschen diese Tatsache stets zu spüren bekommen, obwohl sie nichts dafür können, oder nur in einem Dienstleistungs-Beruf arbeiten? Nein.

Achten wir auf andere, aber auch auf unser Verhalten, dann relativiert sich die Ansicht, „wir lebten in der Wüste“. Erfreuen wir uns lieber des Öfteren an Oasen und deren Bewohnern.

Es gibt nicht die weiße oder schwarze Seite einer Medaille, eher wird die Reflektion vom Licht beeinflusst, das auf sie trifft. Erwarten wir nicht von Service-Bediensteten wozu wir nicht in der Lage sind und umgekehrt.

Machen wir uns öfters bewusst, wie unser königliches oder hofnärrisches Auftreten auf unser Gegenüber wirkt, sodass jedermanns Alltag glücklicher und besonderer wird –

lächelnd geht es sich leichter durchs Leben als grimmend.

fb-icon

gambini Verfasst von:

Schreibe den ersten Kommentar

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *