II. Auf der Suche nach…

Anknüpfend an den ersten Beitrag „I. Auf der Suche nach..“, schauen wir doch in ein weiteres Gesicht der Flucht, das uns in letzter Zeit verstärkt vor Augen tritt und dessen Ausdruck uns noch viele Jahre begleiten wird.

Im Grunde schauen wir täglich nicht in „ein Gesicht“, sondern in unzählige Augen von Männern, Frauen und vor allem von Kindern, deren einzige Beschäftigung im Moment das Warten und Grübeln, sowie das Verarbeiten des Erlebten ist.

Einen Großteil der Suchenden machen auch die Jugendlichen und Jungerwachsenen aus, die durch ihre Situation noch nicht die Möglichkeit hatten, zu sich und ihrer Persönlichkeit zu finden. Nach der Ankunft vergeht viel Zeit, bis eine gewisse Normalität in den Alltag einkehrt. Ist eine Normalität möglich, solange man im Ungewissen und ohne ersichtliche Perspektive die Tage verleben muss?


Beschäftigung ist eine Möglichkeit seine Energie einzusetzen und sich zu entfalten, oder seine Fähigkeiten auszuloten und vielleicht auch seinen Weg zu finden. Sie kann helfen zu lindern und Hoffnung zu spenden durch die Freude, den Ehrgeiz etwas zu schaffen und die Bestätigung. Integration in jede Gesellschaft hängt stark von den Möglichkeiten ab, die einem geboten werden – Bildung, Freizeitmöglichkeiten, Sport und die daraus resultierende Beschäftigung bilden die Basis dafür.

Wenn jemand auf einer einsamen Insel strandet, beschäftigt er sich damit durch sein Schaffen zu überleben. Er passt sich an die Umgebung und die Gegebenheiten an um Schritt für Schritt mit den Ressourcen umzugehen und auszukommen. Er hat ein Ziel vor Augen um das eigene Überleben zu sichern und anzukommen.

In einer zivilisierten Umgebung ist das Ankommen ein anderes – mit all ihren eigenen Regeln, Geboten und Verboten, einer Kultur mit zugehörigen Traditionen und einer vielleicht ganz anderen Lebensart. Es reicht nicht nur der Wille etwas zu schaffen oder aufzubauen, wenn die Möglichkeiten durch Gesetze und langwierige Entscheidungswege eingeschränkt sind. Die Ungewissheit bleiben und die Angst nicht ankommen zu dürfen, gepaart mit dem Willen etwas Sinnvolles tun zu können, sowie dem unterdrückten Tatendrang, müssen doch deprimierend wirken – umso erstaunlicher ist es, dass die meisten ihre Hoffnung nicht verlieren und all den Umständen trotzen.

Die Zeit mit Gedanken und „Nichtstun“ tot zu schlagen ist für jeden von uns schlimm und nicht förderlich – wie muss es für Menschen sein, die entwurzelt in einer fremden Welt gestrandet sind?


Wir haben Ressourcen, die wir einsetzen können, um den Gestrandeten, wie auch unserer Gemeinschaft hilfreich den Weg in eine bessere Zukunft zu ebnen.

Tausende Ausbildungsstellen werden alleine im vergangenen Jahr von unseren inländischen Jugendlichen und Jungerwachsenen nicht besetzt, da das Interesse an Handwerks- sowie Betreuungsberufen schwindet. Eine große Lücke entsteht, die in den kommenden Jahren zum Problem wird, wenn wir keine Nachwuchskräfte finden, die bereit sind durch ihre Ausbildung und Arbeit zum Wohlergehen aller beizutragen, gerade im Bereich der Kranken- und Altenpflege, sowie in Betreuungssegmenten und Handwerk.

Im Hinblick auf die nahe Zukunft sollten wir gerade diese Möglichkeiten nutzen, um motivierten Kräften die Chance zu geben, sich selbst zu entfalten, einen Beitrag für die hiesige und zukünftig vielleicht auch für die „verlassene“ Gesellschaft leisten zu können.

Eine gute Ausbildung trägt als Hilfe zur Selbsthilfe dazu bei, zukünftig Problemen mit Lösungen und beispielhaftem Handeln zu begegnen. Wenn wir mit gutem Beispiel vorangehen, kann sich daraus eine weitere Tugend entwickeln, die nicht nur persönlichen Schicksalen, sondern auch Generationen helfen kann diesem friedlichen Beispiel zu folgen.

Ausgebildete und motivierte junge Menschen mit Perspektiven gestallten die eigene Zukunft selbst und bereichern gleichzeitig unsere Gesellschaft. Eines Tages können sie durch ein Umdenken und die gesammelten Erfahrungen auch die Zukunft der Heimatländer positiv beeinflussen – nicht zuletzt durch die entstandenen Kontakte und Bindungen.

Die einen werden sich neu verwurzeln, andere wiederum zu ihren ursprünglichen Wurzeln zurückkehren. Möglicherweise tragen sie dann zur Mitgestaltung und zum Wiederaufbau manch einer geschwächten oder destruierten Region bei.

Seien wir nicht arrogant. Lassen wir andere Menschen Lösungen für kleine oder große Konflikte und Probleme aus einem eigenen Antrieb ausarbeiten und umsetzen. Bieten wir lediglich eine Stütze und öffnen Türen durch unsere „Ressourcen“ und unsere Einstellung.


Jeder Mensch lernt sein Leben lang dazu, wir nicht ausgeschlossen.

Lassen wir es zu, von und mit anderen zu lernen, um zu besseren Lösungen zu gelangen.

Helfen wir den gesellschaftlichen Wandel europa- und weltweit friedlich zu organisieren – losgelöst von Religion, Status, Orientierung oder Weltanschauung, jedoch mit Menschlichkeit, Mitgefühl, Mut und Herz.

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gambini Verfasst von:

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