damals | heute | unverhofft

Wie bereits im Beitrag „Könige in der Wüste“, möchte ich auch heute wieder die andere Seite der Medaille beleuchten, um sie deutlicher sehen zu können.

„Früher war alles besser“

Der Mensch ist von Natur aus ein Gewohnheitstier in seinem Handeln aber auch in seiner Meinung, alles müsse so bleiben, wie es mal war.

Manchmal zwingt sich der Eindruck auf, dass wir mit dem zunehmenden Alter eingefahrener und unflexibler in unserem Handeln, aber auch in unserer Sichtweise und Wahrnehmung unserer Umwelt gegenüber werden. Natürlich weiß niemand von uns, wie er sich selbst diesbezüglich verändern wird, oder welche engstirnigen Eigenschaften bei ihm deutlicher zum Vorschein kommen werden, sobald er durch sein Alter oder seine Lebensumstände selbst betroffen sein wird. Das Alter ist heutzutage ein sehr dehnbarer Begriff und nicht an bestimmten Zahlen fest zu machen – und doch sei es erlaubt, dieses anzusprechen um vielleicht sich selbst und sein Verhalten reflektieren zu können.

Vielleicht sollten wir uns öfters bewusst machen, dass sich die Welt in den letzten Jahren unseres Daseins häufiger gedreht hat, als es uns aufgefallen sein mag oder als es uns manchmal lieb ist. Und doch ist es eine Tatsache der heutigen Zeit, dass sich die Welt von Jahrzehnt zu Jahrzehnt schneller zu drehen scheint – durch unsere technischen Errungenschaften, unsere zugleich veränderte Lebensweise und unsere Einstellung zu Dingen, die uns umgeben oder zum alltäglichen Gebrauch gehören. Nicht alles, was uns heute ausmacht ist gut und doch ist es die Eigenschaft der Evolution mit den Gegebenheiten der Gegenwart auszukommen und sich mit diesen zu arrangieren.

Die Bereiche der Haushaltstechnik, Kommunikation, Multimedia, sowie der Fortbewegung entwickeln sich rasant und scheinen oft nach kurzer Zeit „veraltet“. Doch ist auch die Mode einem ständigen Wandel unterworfen, sowie im überschaubaren Maße die Lebensmittelbranche. Manches gefällt, anderes missfällt uns, ist praktisch oder unnötig – nichtsdestoweniger leben wir heute und nicht gestern, sodass wir entweder Neues ausprobieren können oder dem längst Vergangenem nachtrauern und es Jahr für Jahr unseren Bediensteten mitteilen, auch wenn diese keinen Einfluss darauf haben.

  • Die Tasten waren größer, die Ecken eckig, das Display überschaubarer.
  • Die Bedienbarkeit einfacher, die Möglichkeiten überschaubarer.
  • Die Sohlen höher oder tiefer, die Leisten breiter oder schmaler, das Leder weicher oder strapazierfähiger und die Schnürsenkel feiner, grober oder robuster.
  • Die Schnitte weiter oder schmaler, kürzer oder länger, praktischer oder bequemer, sowie die Farben schöner oder tragbarer.

Vielleicht wird es in der Zukunft die Möglichkeit geben, sich seine Welt so gestalten zu können, wie wir es uns ausmalen. Dann werden wir in den eigenen vier Wänden per Knopfdruck den Druckauftrag für dies und jenes erteilen und alles wird gut.

Die Frage ist, ob wir dann nicht dennoch wieder etwas finden, was „früher besser war“ und schließlich mit dieser Möglichkeit zufriedener sein würden.


 „Unverhofft kommt oft“

Wie das Alter, ist auch das Zeitgefühl von der Relativität geplagt.

Die Jahreszeiten überrumpeln uns jedes Jahr aufs Neue, die Verträge ändern eigenständig ihre Laufzeiten, große Ereignisse finden meist unangekündigt statt, die Urlaube werden von fremder Hand geplant und zeitlich festgelegt. Wohnungen, Häuser, Gärten und Autos werden über Nacht unansehnlich oder verlangen von jetzt auf gleich einen „neuen Anstrich“. Die Schränke verlieren wöchentlich an Inhalt und zwingen uns zum Nudismus.

Ach, gäbe es bloß die Zeit nicht, dann wäre alles viel einfacher und das Leben würde geordneter verlaufen, ohne dass wir uns stets überrollt fühlen müssten.

  • Der Winter überrascht stets mit seinem Einbruch und lässt uns lange auf einen Termin für den Reifenwechsel warten.
  • Das Auswählen neuer Tarife oder Aushandeln neuer Konditionen bringt unser Gehirn zum Kochen, da die Verträge auslaufen.
  • Die große Feier im Kreise unsere Liebsten oder Freunde, kommt meist spontan und lässt auf ein Wunder hoffen, dass wir alles rechtzeitig erledigt bekommen.
  • Das Weihnachtsfest lässt uns stets planlos durch die Städte rasen, da die Festtage nie einen festen Platz im Kalender haben.
  • Der Urlaub wir uns jährlich aufgezwängt und dessen Termin kurzfristig mitgeteilt, sodass eine Planung so manches durchwirbeln lässt.
  • Die langen Festtagswochenenden zwingen uns förmlich zu Hamsterkäufen einen Tag davor, da wir nie wissen, ob die Lebensmittelläden nach den Tagen wieder in gewohnter Form geöffnet haben werden.
  • Und schließlich stellen wir halbjährlich erstaunt fest, dass der Wechsel der Kollektionen in der Modebranche plötzlich und ohne Ankündigung stattgefunden hat – unsere Wunsch-Artikel sind vergriffen, unsere Größen scheinen rar produziert worden zu sein und überhaupt ist der Handel uns nicht gut gesonnen – und der Schlussverkauf ist auch nicht mehr das, was er mal war.

Vielleicht erkennen wir die eine oder andere Parallele in den Beispielen und können es nachempfinden, wie schlecht es um uns steht und wie unbarmherzig die Zeit sein kann. Dennoch wir uns vielleicht bewusst, dass das meiste selbstverursacht ist und niemand sonst dafür die Verantwortung trägt, außer wir selbst.


Versuchen wir also in zahlreichen Situationen, durch ein kurzes In-uns-gehen, zum entspannten Miteinander beizutragen – die Hofnarren werden es uns danken, den „Königen in der Wüste“.

Unser Gegenüber reflektiert meistens, was es wahrnimmt – den Spiegel gibt es auf beiden Seiten.

fb-icon

gambini Verfasst von:

Schreibe den ersten Kommentar

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *